Ich packe meinen Koffer und bin weg – kleine Glücksmomente

Mit Sonde, Dialyse und Medikamenten im Koffer on Tour

Juni 2015, seit fast sechs Monaten waren wir mit ihm raus aus der Klinik und hatten uns soweit zu Hause eingelebt. Die Pflegerinnen sind inzwischen ein eingespieltes Team und wir trauen uns über Pfingsten zehn Tage Urlaub in einer Ferienwohnung im Fränkischen zu machen. Mit Sack und Pack zogen wir los, das hieß in unserem Fall neben dem üblichen Babykram, Kinderwagen, Spucktücher, Windeln, Milchflaschen  jede Menge medizinische Utensilien. Spritzen zum Sondieren, Medikamente, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und so weiter. Gott sei Dank gibt es den Service  des Dialyse Herstellers, dass sie uns ein PD-Gerät an den Urlaubsort innerhalb der EU liefern. Ich konnte mir trotzdem nur vorstellen in ein deutschsprachiges Land zu fahren. Zu groß war die Angst davor etwas könnte schief gehen, ein Notfall eintreten…  Dank der netten und geduldigen Wohnungsvermieter klappte die Lieferung des Geräts, seines Zubehörs und die Programmierung, drei extra Termine doch sie öffneten immer die Türe und halfen uns so gut sie konnten alles zu organisieren.

Da mein Mann ein beherzter Papa ist, der nicht ohne mit der Wimper zu zucken Windeln wechselt, sondern auch gelernt hat die Nasogastral-Sonde zu legen, war ich guter Dinge. Die Großeltern begleiteten uns bei der Hinfahrt mit ihrem großen Wohnmobil, so konnten wir den Knirps zwischendurch aus dem verhassten Autositz raus nehmen, all unser Gepäck gut verstauen und hatten auch einen fahrenden Kühlschrank dabei. Eineinhalb Wochen ohne Physiotherapie, Logopädie, Pflegedienst und Arzttermine –  nur wir drei. Eine ganz neue Erfahrung, ein kleines Wagnis.

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Auf dem Bauch lässt es sich gut wandern

Und – es ging gut, richtig gut! Wir hatten tolle Tage, vermieden die verhassten Autofahrten, wanderten mit Kinderwagen von Biergarten zu Biergarten. Immer mit dabei die Kühltasche für Medikamente, Tragetasche und Wechselkleider. Der Kleine lag überstreckt wie eh und je auf dem Bauch aber er duldete es zu mindest längere Zeit im Wagen abgelegt zu werden. Er kam aus de Staunen nicht heraus, das Grün das uns auf den Wald- und Wiesenwegen umgab, die Aussicht auf dem Höhenweg, bemooste Felsformationen, die alte Dorflinde, unter der wir Rast machten. Er schnaufte durch und wir mit. Wir waren richtig stolz das alles hinzubekommen.

 

 

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